Tätigkeitsberichte 2007 bis 2013

Tätigkeitsbericht 2007

Eine Sonderausstellung in der Saletta der Kaiserzimmer war 2007 dem Maler Bartolomeo Altomonte (1694-1783) gewidmet. Im Mittelpunkt standen die beiden Gemälde „Hl. Nikolaus“ (1764) und „Grablegung Christi“, die zuvor bei der Restaurierung als Werke des Künstlers identifiziert und wieder entdeckt worden waren. Dazu gab es weitere Gemälde und Archivalien zu sehen.

Es gab wiederholt Sonderführungen zu halten, u.a. am 2. Oktober für die Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. Am 30. Jänner kam die romanische Riesenbibel von St. Florian in die Digitalisierungsstelle der Universität Graz, wo Fotos für eine Monografie in der Reihe „Codices illuminati“ angefertigt wurden. Katharina Hranitzky und Michaela Schuller sichteten alle illuminierten Inkunabeln der Stiftsbibliothek und fertigten Arbeitsfotos an.

Dr. Buchmayr führte die Katalogisierung der Bücher auf Computer weiter. Im Jahr 2006 konnten 810 Werke neu aufgenommen werden, sodass mittlerweile 9.510 Werke elektronisch erfasst sind. Im November erhielt die Stiftsbibliothek eine neue Computeranlage. Die Adaptierung der Programme auf das neue Betriebssystem, die Auslagerung der Datenbanken auf einen zentralen Hausserver und die Einrichtung eines hausinternen Netzwerks erforderten viel Zeit.

Dr. Rehberger hielt am 5. Mai in Bad Goisern einen Vortrag über „Attribute der Heiligen“ und referierte am 21. Mai in Grein über „Österreichs Heilige“. Er nahm an mehreren wissenschaftlichen Tagungen und Kongressen teil.
Dr. Buchmayr publizierte zusammen mit Birgit Kirchmayr und Michael John als Abschluss eines mehrjährigen Forschungsprojekts den Band „Geraubte Kunst in Oberdonau“ (Verlag OÖ. Landesarchiv). Die Präsentation fand am 2. Mai im Schlossmuseum Linz unter Anwesenheit des Landeshauptmanns Dr. Josef Pühringer statt. Im Band „Stifter und Stifterforschung im 21. Jahrhundert“, hrsg. von Alfred Doppler (Niemeyer Verlag Tübingen) publizierte Buchmayr den Aufsatz „Die Pilgerreise nach Jerusalem: Adalbert Stifters Beziehungen zum Stift St. Florian – mit einem unveröffentlichten Brief Stifters“ (S. 97-116).

Tätigkeitsbericht 2008

Bei der Sonderausstellung „Mit freundlichen Grüßen...“ 2008 in zwei ehemaligen Prälaturzimmern des Stiftes St. Florian waren 432 frühe Karten mit oberösterreichischen Ortsansichten aus der eigenen Ansichtskartensammlung zu sehen. Die Ausstellung fand in Zusammenarbeit mit den OÖ. Landesmuseen und dem OÖ. Landesarchiv statt und war Teil des Schwerpunktprojekts „Oberösterreich 1918-2008“. Das Medienecho war groß. Bei der Eröffnung durch Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer referierten Karl Rehberger und Friedrich Buchmayr, der auch den gleichnamigen Begleitkatalog gestaltete. Alle rund 16.700 Oberösterreichmotive der Sammlung wurden digitalisiert und können im Internet unter der Adresse doris.ooe.gv.at betrachtet werden. Hoch aufgelöste Kopien sind bei der Stiftsbibliothek St. Florian erhältlich.

Die romanische Riesenbibel von St. Florian (um 1140/1150) zählt mit ihren 66 x 47,5 cm zu den größten in Österreich erhaltenen Handschriften. Friedrich Buchmayr und Karl Rehberger erstellten in Zusammenarbeit mit Friedrich Simader (Österr. Nationalbibliothek) eine erste Monografie zu dieser Prachthandschrift, die unter dem Titel „Die Riesenbibel von St. Florian“ als Band 5 der Reihe „Codices illuminati“ der Akademischen Druck- und Verlagsanstalt in Graz erschien. Bei der Buchpräsentation am 8. Mai in der Sala terrena des Stiftes hielten die drei Autoren Referate.

In der Stiftsbibliothek sind mittlerweile knapp 10.000 Werke elektronisch erfasst. Antje Willing bearbeitete den Codex XI 585 und publizierte darüber den Aufsatz „Die ‚Ilias Homeri‘ des Johannes Baptista Rexius“, in: ZfdA 136 (2007), Heft 4, S. 480-499. Das Stiftsarchiv übernahm ältere Archivalien und Zeitschriften aus dem Pfarrarchiv Ebelsberg. Andreas Lindner publizierte den Band „Musikpflege in den oberösterreichischen Stiften: Aufbau, Organisationsstruktur und Personal vom 17. Bis zum 19. Jahrhundert“ (Veröffentlichungen des RISM-Österreich, Reihe A, Band 9), Wien: Verlag Der Apfel 2008. Darin finden sich viele Hinweise auf das Musikleben des Stiftes St. Florian in diesem Zeitraum.

Aus Privatbesitz kam ein Landschaftsgemälde des Propstes Vinzenz Hartl (1920-1944) in die Kunstsammlung. Brigitte Zierhut-Bösch beschäftigte sich in ihrer Buchpublikation „Ikonografie der Mutterschaftsmystik: Interdependenzen zwischen Andachtsbild und Spiritualität im Kontext spätmittelalterlicher Frauenmystik“ (Rombach 2008) auch mit der spätmittelalterlichen Terrakottaskulptur „Maria im Wochenbett“ aus der Stiftssammlung.

Das Stift St. Florian war mit Leihgaben an folgenden Ausstellungen beteiligt:
• Genesis (Illegio)
• Tiefenrausch (Linz)
• Jagdfieber (Schloss Reichenau an der Rax)
• Hans Fronius (Mondsee und Illegio)
Im Haus gab es neben der Ansichtskartenausstellung noch Paraphrasen zur Bamberger Apokalypse von Herwig Zens sowie „Bäche“ und „Vor-über-gehend“ mit Werken von Dechant Ferdinand Reisinger zu sehen.

Karl Rehberger hielt am 9. April den Festvortrag zur 900-jährigen Jubiläum der Pfarre St. Peter am Wimberg. Er nahm an mehreren wissenschaftlichen Tagungen und Kongressen teil und publizierte im Sonderheft „175 Jahre Gesellschaft für Lendeskunde – OÖ. Musealverein“, Linz 2008, S. 13-15 den Aufsatz „Der OÖ. Musealverein und das Stift St. Florian“.
Friedrich Buchmayr publizierte im 29. Band (Nordhausen 2008, Sp. 906-910) des „Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikons“ von Traugott Bautz einen Artikel über den St. Florianer Chorherren Ernst von Marinelli und referierte bei einer Fortbildungsveranstaltung für Religionsprofessoren über „St. Florian in der NS-Zeit“.

Tätigkeitsbericht 2009

Im Rahmen des Programmschwerpunkts „Bibliotheken in Österreich“ der Plattform „Klösterreich“ war 2009 im Hauptsaal der Stiftsbibliothek eine Sonderausstellung über die Klausnerin Wilbirg von St. Florian († 1289) zu sehen. Dabei wurden u.a. die kürzlich aufgefundenen Fragmente zur Lebensgeschichte (Vita Wilbirgis) gezeigt, die ihr langjähriger Beichtvater Einwik unmittelbar nach ihrem Tod verfasst hat.

In der Stiftsbibliothek sind mittlerweile 10.320 Werke elektronisch erfasst. Die Handschrift XI 585 aus dem Jahr 1584 bildete die Grundlage der Edition „Johannes Baptista Rexius: Ilias Homeri teutsch“ (Berlin 2009) von Antje Willing. Es gab wieder mehrere Sonderführungen abzuhalten, u.a. für die Königliche Gesellschaft Bibliophiler aus Belgien, Museumsbedienstete aus Lille und kirchliche Kustoden aus dem gesamten deutschen Sprachraum.

Viele Kopierwünsche betrafen die rund 16.700 Oberösterreichmotive der Ansichtskartensammlung, die im OÖ. Kulturatlas unter der Internetadresse doris.ooe.gv.at recherchiert und betrachtet werden können. Am 18. September kam ein Filmteam der BBC zu einem Interview und Aufnahmen von Autografen Anton Bruckners nach St. Florian, die in einem neuen Porträt des Komponisten Verwendung finden werden. Am 6. November führte das „Deutschlandradio Berlin“ in der Stiftsbibliothek ein Interview für eine Sendung über das Musikleben in St. Florian in der NS-Zeit durch.

Das Stift St. Florian war mit Leihgaben an folgenden Ausstellungen beteiligt:
• Rosenblatt und Federkiel (Wiblingen)
• Mahlzeit (OÖ. Landesausstellung Schlierbach)
• Nur durchgereist (Linz)
• Sant Ypoelten (St. Pölten)

Karl Rehberger hielt am 28. April den Festvortrag zur Eröffnung der Ausstellung „Rosenblatt und Federkiel“ in Wiblingen. Er nahm an mehreren wissenschaftlichen Tagungen und Kongressen teil.
Friedrich Buchmayr publizierte im großformatigen Bildband „Tempels of Knowledge: Historical Libraries of the Western World“ von Ahmet Ertug und Friedrich Krinzinger (Istanbul 2009) den Beitrag „The Library of St Florian“ (S. 34-35). Für das Buch „Schörflinger Streiflichter“, hg. von Klaus Petermayr und Franz Xaver Lösch, Schörfling 2009 verfasste er den Beitrag „Die Schörflinger Bestände aus der Ansichtskartensammlung des Stiftes St. Florian“ (S. 83-100).
Die beiden Bibliothekare waren maßgeblich am Zustandekommen des neuen Stiftsführers und des Faksimilebandes „Topographia Florianensis“ beteiligt, die am 18. April bzw. am 25. Juni präsentiert wurden.

Tätigkeitsbericht 2010

Zum 350. Geburtstag des Barockbaumeisters Jakob Prandtauer war im Tafelzimmer des Stiftes St. Florian eine Sonderausstellung zu sehen. Ein neu angefertigtes Modell des Stiftes St. Florian gab Aufschluss über die Etappen der Barockisierung und die Bauphase Jakob Prandtauers. Baumaterialien und Handwerkerutensilien aus der Barockzeit veranschaulichten den Alltag auf der Baustelle.

Im Mittelpunkt stand der Originalvertrag zwischen Propst Franz Claudius Kröll und Jakob Prandtauer vom 11. Oktober 1708. Darüber hinaus waren Originalpläne und Zahlungsquittungen Prandtauers und viele Idealansichten der Stiftsanlage zu sehen. Der Marmorsaal, die grandioseste Bauleistung Prandtauers, war Teil der Ausstellung.

Eine Miniatur mit den Heiligen Drei Königen aus dem romanischen Missale III 208, das um 1200 im oder für das Stift St. Florian angefertigt wurde, kam als Motiv auf die Weihnachtsbriefmarke der Post. Bei der Präsentation in St. Florian am 12. November sprach Altbischof Maximilian Aichern.

Die Stiftsbibliothek war Drehort für mehrere Filme, u.a. zur Geschichte zweier deutscher Großfirmen. Es gab wiederholt Sonderführungen abzuhalten, etwa für die Freunde der Bibliothek in Ferrara (Italien). Michaela Schuller und Christine Beier, zwei Mitarbeiterinnen der Kommission für Schrift- und Buchwesen des Mittelalters an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, bearbeiteten die illuminierten Handschriften des 13. und 14. Jahrhunderts der Stiftsbibliothek. Bei dieser Gelegenheit wurden Fotos aller Illustrationen angefertigt.

Edo Skulj veröffentlichte die Monografie „Križmanova orglarska delavnica“ (Ljubljana 2010) über den Orgelbaumeister Franz Xaver Krismann, der auch die Orgel in der Stiftsbasilika St. Florian errichtete. Das Buch enthält Erstdrucke von poetischen Werken Krismanns, die nur in der Stiftsbibliothek St. Florian erhalten geblieben sind.

Das Stift St. Florian war mit Leihgaben an folgenden Ausstellungen beteiligt:
• Renaissance und Reformation (OÖ. Landesausstellung Schloss Parz/Grieskirchen)
• Jakob Prandtauer: Der Profanbaumeister (Stadtmuseum St. Pölten)
• Jakob Prandtauer: Planen und Bauen im Dienst der Kirche (Diözesanmuseum St. Pölten)
• Jakob Prandtauer: Leben im Barock (NÖ. Landesmuseum)
• Die Hirten (Dommuseum Salzburg)
• Angeli (Tolmezzo, Italien)
• Van Eyck bis Dürer (Brügge, Belgien)

Karl Rehberger nahm an mehreren wissenschaftlichen Kongressen teil. Am 29. April hielt er bei der Tagung „Anton Bruckners Messen“, die von der Österr. Akademie der Wissenschaften und der Wiener Katholischen Akademie veranstaltet wurde, einen Vortrag über „Bischof Rudigier und die Linzer Kirchenpolitik“. Zusammen mit Christiane Wunschheim veröffentlichte er im Linzer Wagner-Verlag eine Faksimileausgabe der prunkvollen Archivhandschrift „Series Praelatorum“ (Hs. 79). Bei der Buchpräsentation am 11. Dezember hielt er den Festvortrag über einige bedeutende St. Florianer Prälaten.
Friedrich Buchmayr verfasste Beiträge für das Österr. Biographische Lexikon und publizierte den Aufsatz „Franz Schubert, der Linzer Freundeskreis und das Stift St. Florian“, in: Schubert-Perspektiven 8(2008), Heft 2, S. 135-190. Er stellte auch die Begleitbroschüre „Baustelle Stift St. Florian: Die Ära des Baumeisters Jakob Prandtauer 1708-1726“ zur Sonderausstellung zusammen.

Tätigkeitsbericht 2011

Das Tafelzimmer des Stiftes St. Florian war 2011 Schauplatz der Sonderausstellung „Stift in Grün“. Dabei war eine Auswahl von Gemälden des 17. und 18. Jahrhunderts mit detailgetreuen Abbildungen von Pflanzen und Blumen zu sehen. In einer Vitrine wurden Meisterwerke der Porzellankunst aus der großen Ära der Wiener Porzellanmanufaktur (1780 bis 1820) präsentiert, darunter Obstkörbchen, Kaffeekannen und Teller mit dem berühmten blauen „Wiener Muster“ und dem „Fels- und Vogel-Motiv“. Auch des großen Pomologen und Chorherrn Josef Schmidberger (1773-1844) wurde gedacht. Besondere Aufmerksamkeit erregten die ältesten gedruckten Kräuterbücher, der „Herbarius latinus“ (1484) und der „Gart der Gesundheit“ (1487), mit den handkolorierten Holzschnitten. Mehrere großformatige barocke Prachtwerke überzeugten durch die unerreichte Druckqualität der kolorierten Kupferstiche mit Motiven aus der Tier- und Pflanzenwelt. Vor dem Eingang zum Prälatengarten wurde eine Schautafel angebracht, auf der dessen Geschichte von der barocken Gestaltung durch den Architekten Jakob Prandtauer bis zum heutigen Zustand dokumentiert ist.

Im Rahmen der Sonderausstellung gab es viele Spezialführungen zu halten, u.a. am 4. Mai für den Apostolischen Nuntius in Wien. In der Stiftsbibliothek sind mittlerweile 10.615 Werke elektronisch erfasst. Die Neukatalogisierung des Brucknerarchivs durch Elisabeth Maier und Renate Grasberger wurde fortgesetzt, ebenso die Umlagerung der Archivalien in säurefreie Umschläge und Schachteln. Die Zusammenarbeit mit dem Verein „Brucknertage St. Florian“ wird intensiviert. Herausragende Kompositionen aus dem Musikarchiv sollen künftig digitalisiert, eingerichtet und im Rahmen der Brucknertage aufgeführt werden. Für 2012 sind Instrumentalwerke von Michael Haydn, Franz Aumann, Johann Georg Albrechtsberger und Gioachino Rossini vorgesehen.

Die Neuordnung und Neuaufstellung der Münzsammlung schreitet weiter voran. Es folgt nun der Bestand an Medaillen. Die farbig kolorierte Karte der Herrschaft Tillysburg von Christoph Auerbach (1655), die stark beschädigt war, wurde von Bettina Dräxler in Wien fachgerecht restauriert. Aus dem Kunsthandel konnte eine unbekannte kolorierte Stiftsansicht auf Pergament aus dem Jahr 1718 von Joseph Gottfried Prechler erworben werden. Die Ansicht gehört zur verloren geglaubten Serie von fünf „Prospekten“ des Stiftes, für die der Maler den beachtlichen Betrag von 172 Gulden erhielt.

Die Entlehnung des Marschallstabs Prinz Eugens an das Heeresgeschichtliche Museum Wien, die bis in das Jahr 1887 zurückreicht, wurde auf eine neue vertragliche Basis gestellt. In der Monografie „Jakob Friedrich van der Nüll, Großbürger und Sammler in Wien an der Wende zum 19. Jahrhundert“ von Helmut W. Flügel und Peter Huber ist auch der Ankauf von dessen Conchyliensammlung durch das Stift St. Florian ausführlich dokumentiert.

 Das Stift St. Florian war mit Leihgaben an folgenden Ausstellungen beteiligt:
• Van Eyck bis Dürer (Brügge, Belgien)
• Franziskus. Licht aus Assisi (Diözesanmuseum Paderborn)
• Angelo Soliman (Wienmuseum)
• Hexen. Zauber (Mistelbach)
• 900 Jahre Amstetten (Amstetten)

Karl Rehberger nahm an mehreren wissenschaftlichen Kongressen teil und hielt viele Vorträge, u.a. am 29. Juni in Ansfelden über „Propst Johannes Matthäus Weissenberg und der Pfarrhof Ansfelden“ und am 28. April bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Stift in Grün“. Er referierte auch am 22. September in St. Florian über „Historische Persönlichkeiten in St. Florianer Bürgerhäusern“ und am 24. November in Leoben über St. Florian. Zusammen mit Christiane Wunschheim veröffentlichte er im Verlag des OÖ. Landesarchivs den 2. Band der „Bibliographie zur Geschichte des Stiftes Sankt Florian“ (Teilband 2000–2010).
Friedrich Buchmayr verfasste Beiträge für das Österr. Biographische Lexikon (u.a. über den Chorherrn Johann Ackerl) und publizierte gemeinsam mit Lothar Altmann den Aufsatz „St. Florian in Gilching. Ein verschollenes Altarblatt des Wiener Hofmalers Peter Strudel aus dem Stift St. Florian/OÖ wiederentdeckt“, in: Amperland 47 (2011), S. 306-311. Er referierte beim Internat. Symposion „Kunst sammeln, Kunst handeln“ (MAK Wien) am 24. März über „Justus Schmidts Einkaufstouren nach Paris im Auftrag von Gauleiter August Eigruber“ und präsentierte im September bei der Buchmesse in Göteborg (Schweden) seine Buchpublikation „Madame Strindberg“ (Residenz-Verlag).

Tätigkeitsbericht 2012

Im Rahmen der Ausstellung „Kloster-Leben“ der OÖ. Landesmuseen waren im Stift St. Florian drei Vitrinen aufgestellt, in denen Chorherren per Videofilm Objekte zu den Themen hl. Florian, Liturgie und Musikleben präsentierten.

In der Stiftsbibliothek sind mittlerweile 10.799 Werke elektronisch erfasst. Am 8. und 9. März führte die Arbeitsgemeinschaft katholisch-theologischer Bibliotheken, Landesgruppe Österreich in St. Florian ihre Jahrestagung durch. Dabei stand auch eine Sonderführung in die Stiftsbibliothek auf dem Programm.

Das spätmittelalterliche Kochbuch aus der Handschrift XI 100 (um 1400) wurde neu ediert: Melitta Adamson, Mediterranean Cuisine North of the Alps: The Cookbook in Sankt Florian Codex XI. 100, in: kunst und saelde: Festschrift für Trude Ehlert, hrsg. von Katharina Boll and Katrin Wenig, Würzburg 2011, 239–258. Die St. Florianer Prophetenhandschrift III 222 A aus der Schreibschule in Mondsee (1. Drittel 9. Jh.) gilt als älteste Musikhandschrift Österreichs. Nach neuesten Untersuchungen sind die St. Galler Neumen bei den Lamentationen des Jeremia im 1. Viertel des 11. Jahrhunderts von mehreren Händen nachgetragen worden. Vgl. dazu Robert Klugseder, Quellen zur mittelalterlichen Musik- und Liturgiegeschichte des Klosters Mondsee, Purkersdorf 2012 (Codices manuscripti Supplementum 7), besonders S. 10 und 21.

Christoph Seelbach fertigte Fotos der Stiftsbibliothek an, die in der Internetplattform www.bibliotheksbauten.de präsentiert sind. Eine seiner Aufnahmen kam in den großformatigen Kalender „detailreich bibliothek 2013“ des Berliner Verlags BibSpider. Gernot Barnreiter verfasste die Diplomarbeit „Johann Carl Seyringer – Leben und Wirken eines frühneuzeitlichen Rechtsgelehrten“ (Wien 2012), die viele Verweise auf St. Florian enthält, weil Seyringers Bibliothek um 1730 in die Stiftsbibliothek St. Florian gekommen war.

Das Österreichische Staatsarchiv erstellt ein Verzeichnis der Nachlässe von Historikern und Historikerinnen in Österreich. In diesem Zusammenhang begann Friedrich Buchmayr mit der Katalogisierung der Historikernachlässe im Stiftsarchiv. Gleichzeitig werden die Archivalien in säurefreie Umschläge und Schachteln umgelagert. Das erste Verzeichnis zum Nachlass von Franz Kurz ist abgeschlossen.

Im Zusammenhang mit einer statistischen Untersuchung zur Lebenserwartung von Klosterangehörigen im Vergleich zu weltlichen Personen hat Marc Luy im Stiftsarchiv die Lebensdaten der Chorherren des 20. Jahrhunderts recherchiert. Die Anonymität der Personen bleibt gewahrt.

Die Zusammenarbeit des Musikarchivs mit dem Verein „Brucknertage St. Florian“ wird intensiviert. Beim diesjährigen Festival kamen am 12. August in der neuen Reihe „aus dem Musikarchiv des Chorherrenstiftes St. Florian“ Werke von Franz Aumann, Anton Bruckner und Gioachino Rossini zur Aufführung. Chorleiter Matthias Giesen bereitet die Herausgabe und Aufführung des Requiems in c-Moll von Johann Georg Albrechtsberger vor, dessen Autograf im Musikarchiv aufbewahrt wird.

Großen Arbeitsaufwand erforderte die Einreichung der Bewerbung für eine OÖ. Landesausstellung im Jahr 2024 zum 200. Geburtsjahr Anton Bruckners, weil neben dem wissenschaftlichen Konzept auch Kostenschätzungen zu erarbeiten waren.

Elisabeth Maier und Renate Grasberger setzten die Neukatalogisierung des Brucknerarchivs fort. Die Leihgaben von Stiftsbibliothek und Stiftspfarre St. Florian an die Ausstellung im Geburtshaus Anton Bruckners in Ansfelden sind zurückgestellt worden. Das kleine Museum wird vom OÖ. Landesmuseum saniert und dann völlig neu gestaltet. Nur der alte Orgelspieltisch aus Anton Bruckners Zeit wird aus Stiftsbesitz als Leihgabe im neuen Museum verbleiben.

Die Neuordnung und Neuaufstellung der Münzsammlung schreitet weiter voran. Die österreichischen Münzen von 1477 bis 1740 sind mittlerweile durch Bernhard Prokisch geordnet, beschriftet und in die vom Haustischler angefertigten Münzschränke eingelegt worden, die Platz für insgesamt rund 50.000 Münzen bieten.

Ein japanisches Filmteam führte Aufnahmen beim Altdorfer-Altar für ein einstündiges Altdorfer-Porträt in der renommierten Kunstserie „The Great Masterpieces of the World“ des Fernsehsenders BS ASAHI durch.

Eine reich bemalte Fayenceterrine (1748/52) aus dem Augsburger Stadtteil Göggingen erwies sich als äußerst seltenes Stück und wurde für das Maximilianmuseum Augsburg fotografiert. Die Restaurierung einer Teetasse aus Zöblitzer Serpentin, die 2011 bei einer Entlehnung zu einer Ausstellung beschädigt worden war, konnte abgeschlossen werden. Gerhard Aubrecht publizierte in der Zeitschrift „Ökologie der Vögel“, Bd. 34 (2012), S. 341-358 den Aufsatz „Schicksal und lokalfaunistische Bedeutung der Vogelsammlung des Stiftes St. Florian, Oberösterreich, über einen Zeitraum von 190 Jahren“.

 Das Stift St. Florian war mit Leihgaben an folgenden Ausstellungen beteiligt:
• Franziskus – Licht aus Assisi (Diözesanmuseum Paderborn, Deutschland)
• Verbündet, verfeindet, verschwägert (Bayerisch-Oberösterreichische Landesausstellung)
• Treffpunkt Kloster-Leben (Schlossmuseum Linz)
• Freue Dich, Christkind kommt bald (Dommuseum Salzburg)
• 800 Jahre Stadtrechtsurkunde Enns (Enns)

Eine Auswahl alter Ansichtskarten aus der Stiftssammlung wurde in der dreibändigen Publikation „Stichwörter zur oö. Literaturgeschichte. Eine Auswahl“, hrsg. von Petra Dallinger u.a., Linz 2012 reproduziert. Friedrich Buchmayr steuerte den Aufsatz über August Strindberg (Bd. 3, S. 103-106) bei. Die Wiederentdeckung des verschollenen Florian-Seitenaltarbilds der Stiftskirche St. Florian von Peter Strudel (1699) durch Friedrich Buchmayr und Lothar Altmann wurde von Lucia Longo-Endres in ihrem Aufsatz „Il Martirio di San Floriano un dipinto di Peter Strudel ritrovato“ in der Zeitschrift „Studi Trentini“ 91 (2012), S. 147-150 eingehend gewürdigt.
Karl Rehberger
nahm an mehreren wissenschaftlichen Kongressen teil, u.a. am 37. Österreichischen Archivtag in Krems, und hielt Vorträge.

Tätigkeitsbericht 2013

Mit Kleinausstellungen in drei Vitrinen wurde an Jubiläen der Pröpste Einwik und David Fuhrmann und des Historikers Franz Kurz erinnert. Ab 22. September folgte eine Gedenkausstellung zum 10. Todestag des Stiftsorganisten, Regens Chori und Komponisten Augustinus Franz Kropfreiter. Dabei waren jeweils zahlreiche Exponate aus den Stiftssammlungen zu sehen. Es gab wiederholt Sonderführungen zu halten, u.a. am 3. Jänner für den kanadischen Botschafter und am 5. Oktober im Rahmen des Linzer Brucknerfestes für Teilnehmer einer Exkursion auf den Spuren Anton Bruckners.

Die New Yorker Fachzeitschrift „Architectural Digest“ hat im Novemberheft die Stiftsbibliothek St. Florian unter die 15 außergewöhnlichsten Bibliotheken der Welt gereiht. Eine Miniatur mit dem Auferstandenen aus dem Missale III 204, das um 1320 in St. Florian angefertigt worden ist, kam als Motiv auf eine Sonderbriefmarke der Post, die am 15. März in St. Florian präsentiert wurde.

In Bibliothek und Archiv wurden intensive und arbeitsaufwendige Initiativen zur Digitalisierung und Präsentation wichtiger Handschriften im Internet gesetzt. Robert Klugseder digitalisierte die zahlreichen musikhandschriftlichen Quellen der Stiftsbibliothek. Die Fotos sind auf der Plattform www.cantusplanus.at der Österr. Nationalbibliothek zu finden. Klugseder fotografierte auch alle Musikalien des Brucknerarchivs. Das Institut für Musikforschung der Österr. Akademie der Wissenschaften wird diese Fotos demnächst in einem Onlineportal für Anton Bruckner präsentierten. Der Hausfotograf Franz Reischl erstellte für das Friedberg Genizah Project Jerusalem Digitalfotos aller hebräischen Handschriftenfragmente.

Im Stiftsarchiv hat Friedrich Buchmayr die Katalogisierung der Nachlässe fortgesetzt. Dabei werden die Archivalien in säurefreie Umschläge und Schachteln umgelagert. Mittlerweile liegen umfangreiche Verzeichnisse zu neun Nachlässen vor, u.a. von Franz Kurz, Joseph Chmel, Jodok Stülz und Albin Czerny. Neben den vielen Manuskripten waren auch rund 4.400 Briefe zu erfassen. Darunter befanden sich auch zwei unbekannte Briefe Anton Bruckners.

Für die Buchpublikation „Eine Zeitreise nach St. Florian mit der Florianerbahn“ (Linz 2013) von Manfred Carrington und Andreas Reiter wurden Archivalien und Fotos aus dem Stiftsarchiv zur Verfügung gestellt. Das Buch „Mauthausen – Markt und Maut im Mittelalter“ von Willibald Katzinger (Mauthausen 2013) enthält viele Quellen aus dem Stiftsarchiv.

Die Zusammenarbeit des Musikarchivs mit dem Verein „Brucknertage St. Florian“ führte zur Begründung der neuen Reihe „aus dem Musikarchiv des Chorherrenstiftes St. Florian“. Beim diesjährigen Festival kam am 18. August ein Arrangement des Finales aus der Sinfonie Nr. 95 von Joseph Haydn zur Aufführung. Elisabeth Maier und Renate Grasberger setzten die Neukatalogisierung des Brucknerarchivs fort.

Die Neuordnung und Neuaufstellung der Münzsammlung schreitet weiter voran. Mittlerweile sind die österreichischen Münzen von 1477 bis 1780 von Bernhard Prokisch geordnet, beschriftet und in die vom Haustischler angefertigten Münzschränke eingelegt worden.

Das ‚Prinz-Eugen-Bett‘ wurde im Zusammenhang mit einer Entlehnung zur Eröffnung des Winterpalais des Prinzen Eugen in Wien auf Kosten der Leihnehmer behutsam restauriert.

Das Stift St. Florian war mit Leihgaben an folgenden Ausstellungen beteiligt:

• Il Cammino di Pietro (Tolmezzo, Italien)

• Alte Spuren, neue Wege (OÖ. Landesausstellung Bad Leonfelden u.a.)

• Brot und Wein (NÖ. Landesausstellung Asparn u.a.)

• Credo (Diözesanmuseum St. Pölten)

• Goldener Herbst (St. Florian)

Karl Rehberger hielt zwei gut besuchte Vorträge in St. Florian. Am 20. September fand im Stift die Präsentation des Buches „Stift St. Florian im Österreichischen Erbfolgekrieg“ (Linz 2013) statt. Karl Rehberger und Christiane Wunschheim edierten damit die tagebuchartigen Aufzeichnungen des Propstes Johann Georg Wiesmayr zu den Ereignissen von 1741/1742 und versahen diese mit umfangreichen Anmerkungen und einem Register.

Friedrich Buchmayr publizierte zusammen mit Werner Telesko den Aufsatz „Der ‚Marmorsaal‘ im Augustiner-Chorherrenstift St. Florian“ im Jahrbuch des OÖ. Musealvereines 158 (2013), S. 211-258. Die Autoren haben den Aufsatz Karl Rehberger gewidmet. Das Buch „Streifzüge III: Beiträge zur oö. Musikgeschichte“, hrsg. von Klaus Petermayr, Linz 2013 enthält Buchmayrs Aufsatz „Zwei unbekannte Briefe Anton Bruckners“ (S. 177-185). Buchmayr nahm an der Tagung „Barocke Kunst und Kultur im Donauraum“ in Passau teil, bei der auch die ersten Initiativen zu einem großen, grenzüberschreitenden Ausstellungsprojekt gesetzt wurden.